Gespendete Frauenmilch - Optimale Starthilfe für Frühgeborene

Die Geburt eines Frühchens markiert oft den Beginn einer emotionalen Achterbahnfahrt für Eltern und medizinisches Fachpersonal gleichermaßen. Der frühe Start ins Leben erfordert neben dem Kämpfergeist des Frühchens auch fortschrittliche medizinische Versorgung sowie eine besondere Form der Pflege und Nahrungszufuhr. Seit Sommer 2022 kann die Klinik für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin des Bürger­hospitals stationär behandelte Frühgeborene mit Spenderinnenmilch versorgen. Möglich macht das die Kooperation mit der Frankfurter Frauenmilchbank.

Die Geschichte der Muttermilchspende reicht weit in die Vergangenheit zurück. Bereits in alten Kulturen gab es ein Ammenwesen, um Kinder von Frauen mit wenig Milch unkompliziert und gesund zu ernähren. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich dann in verschiedenen Ländern die Idee von Muttermilchbanken. Die Muttermilchbanken, wie wir sie heute kennen, entstanden aus der Erkenntnis, dass Frühgeborene, die oft mit niedrigem Geburtsgewicht zur Welt kommen, besondere Unterstützung bei der Ernährung benötigen, um ihr Immunsystem zu stärken und sich optimal zu entwickeln. Wissen­schaft­liche Studien zeigen, dass Muttermilch eine Vielzahl von Nährstoffen, Antikörpern und Enzymen enthält, die für die gesunde Entwicklung von Frühchen entscheidend sind. In Deutschland gibt es heute knapp 40 Muttermilchbanken, die an Kliniken angeschlossen sind. Alle mit dem Ziel, die Gesundheit und Über­le­bens­chancen von Frühgeborenen und kranken Neugeborenen zu verbessern. „Wir erleben eine Renaissance von Muttermilchbanken in Deutschland. Wissen­schaft-lich wird immer deutlicher, dass Muttermilch mit Abstand die beste Nahrung ist, auch die von Spenderinnen“, hält Prof. Steffen Kunzmann, Chefarzt der Klinik für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin, fest.

Als 2019 die Frankfurter Frauenmilchbank als Kooperationsprojekt zwischen dem DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg – Hessen und der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Univer­si­täts­kli­ni­kums Frankfurt etabliert wurde, stand für Corina Uhl fest: „Da wollen wir mitmachen!“ Gemeinsam mit Prof. Kunzmann und Thomas Fuchs, Oberarzt der Neonatologie, leitet die erfahrene Gesundheits-/Kinder­kran­ken­schwester und Stillexpertin die inter­dis­zi­pli­näre Projektgruppe der Frauenmilchbank am Bürger­hospital. Seit einem Jahr kooperiert diese mit der Frankfurter Frauenmilchbank bei der Gewinnung von Muttermilch-spenden.

Im Bürger­hospital betreute Frühchen, deren Mütter aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht ausreichend Muttermilch produzieren können, haben jetzt die Möglichkeit, mit Frauenmilch registrierter Spenderinnen ernährt zu werden. „Die Gründe sind unterschiedlich, so kommt die gespendete Frauenmilch auch zum Einsatz, wenn die Mutter beispielsweise einen Kaiserschnitt hatte, auf der Intensivstation liegt, eine schwere Präeklampsie vorliegt oder sie so viele Medikamente zu sich nimmt, dass wir die Milch nicht verwenden können“, erklärt Thomas Fuchs. Ziel sei es, die Versorgung der extrem kleinen Frühgeborenen (unter 28 Schwanger­schafts­wochen und 1.500 Gramm) mit Spenderinnen-milch über die ersten fünf bis sechs Lebenstage sicherzustellen.

Da sich die Zusammensetzung der Muttermilch je nach Stillzeitpunkt ändert, kommen für die Spenden nur Mütter von Frühgeborenen infrage. Diese Frauen haben in der Regel vor Kurzem entbunden und produzieren bereits ausreichend Muttermilch. „Wenn die eigene Mutter jedoch nur die geringste Menge Milch produziert, hat das Vorrang. Dann wird nur die benötigte Menge pro Tag mit Spenderinnenmilch ergänzt“, fügt Corina Uhl hinzu.

Doch wie gelangt diese „flüssige Medizin“ zu den Kindern? Die Abläufe der Muttermilchbank im Bürger­hospital Frankfurt sind durchdacht und sorgfältig organisiert. Stillende Frauen mit überschüssiger Muttermilch können sich als Spenderinnen registrieren lassen. Jede Spenderin unterzieht sich strengen Gesundheitschecks und Untersuchungen, um die Sicherheit ihrer Milch für die Verwendung zu gewähr­leisten. „90 Prozent der Frauen sind sofort Feuer und Flamme und würden gern spenden. Dank unserer guten Stillquote können wir derzeit alle kleinen Früh-geborenen innerhalb der ersten 24 Stunden mit Spenderinnenmilch versorgen. Das heißt auch, dass die Mütter direkt im Thema und dankbar sind, wenn sie selbst als Spenderinnen helfen können“, berichtet Corina Uhl.

Nachdem der Blutspendedienst grünes Licht für die Blutproben der registrierten Mütter gegeben hat, pumpen die ausgewählten Spenderinnen ihre überschüssige Muttermilch in speziell etikettierte Milchfläschchen ab. Um Frische und Nährstoffe zu bewahren, wird die Milch eingefroren und über den hausinternen Fahrer an die Kolleg:innen des Blutspendediensts übergeben. Ein Teil der abgepumpten Frauenmilch wird dort aufgetaut und gemischt (Pooling). Vor der Weiterverarbeitung wird die Milch auf Verunreinigungen und Infektionen getestet. Um schädliche Bakterien abzutöten und die Milch für die empfindlichen Frühchen sicher zu machen, wird die gespendete Muttermilch in Portionen von etwa 50 ml abgefüllt und pasteurisiert. „Sobald die Tests bestätigen, dass alles sicher verwendet werden kann, erhalte ich die Freigabe und kann sie wieder abrufen. Wenn die Milchflaschen wieder bei uns eintreffen, werden sie aufgetaut und in sorgfältig kontrollierten Mengen an die Frühgeborenen gegeben. Vom Abpumpen bis zur Fütterung dürfen nicht mehr als sechs Monate vergehen“, beschreibt Corina Uhl den Ablauf.

Während der Schwangerschaft wird das Kind im Bauch der Mutter auf die Situation vorbereitet, in die es hineingeboren wird. Die Milch der eigenen Mutter vermittelt dem Kind die gleiche Stoffwechselzusammensetzung, die es bereits durch die Plazenta erhalten hat. Die Zusammensetzung der Milch ändert sich jedoch im Laufe der Zeit. Nach vier Wochen unter-scheidet sich die Milch einer Mutter, die früh geboren hat, nicht mehr von der Milch einer Mutter, die termingemäß entbunden hat. „Daher ist die Milch in den ersten vier Wochen so wertvoll für die Frühchen“, betont Thomas Fuchs.

Gespendete Muttermilch von einer Mutter mit Frühgeburt bietet, nach der Milch der eigenen Mutter, eine maßgeschneiderte Lösung, die speziell auf die Bedürfnisse von Frühchen abgestimmt ist. Sie fördert nicht nur Wachstum und Entwicklung, sondern stärkt auch das Immunsystem. Das ist von entscheidender Bedeutung und erhöht nicht nur die Über­le­bens­chancen, sondern vermeidet auch langfristige Gesundheitsprobleme. Laut Prof. Kunzmann legen wissenschaftliche Daten dar, dass sich durch die eigene Muttermilch oder Spenderinnenmilch das Risiko für die Nekrotisierende Enterokolitis (NEC), eine oft tödlich verlaufende Darmentzündung, deutlich reduzieren könne. „Natürlich ist die Rohmilch der eigenen Mutter das Optimum. Wenn es ein Ranking gäbe, wäre die unverarbeitete Milch der eigenen Mutter an erster Stelle, gefolgt von roher gespendeter Milch, verarbeiteter gespendeter Milch und schließlich Formula-Nahrung“, hebt Thomas Fuchs hervor. Professor Kunzmann betont ebenfalls, „dass wir mit der Pasteurisierung einen hohen Preis für die Sicherheit zahlen. In anderen Ländern wird die Milch nicht pasteurisiert, da sie so noch wirksamer ist. Allerdings besteht dann auch ein Restrisiko für eine Zytomegalie-Infektion. Hier gehen die Meinungen der Fachleute auseinander. In Europa legen wir mehr Wert auf Sicherheit.“ 

Nach einem Jahr der Startphase kann das Projektteam am Bürger­hospital stolz behaupten, sein Ziel erreicht zu haben: Alle Frühgeborenen unter 28 Wochen und 1.500 Gramm werden bei Bedarf mit Spenderinnen-milch versorgt. Dank der hohen Stillquote im Bürger­hospital besteht sogar ein Milchüberschuss, der laut Corina Uhl ausreicht, um zwei Kliniken zu versorgen. Dennoch erfordert der gesamte Prozess spezielle Ausrüstung, medizinisches Fachpersonal sowie Forschung und Qualitäts-kontrolle. „Wie oft in der Medizin zeigt der Fortschritt, dass Muttermilch oder Spenderinnenmilch am besten ist. Alle sind begeistert, aber weder der Staat noch die Krankenkassen möchten die dafür nötigen  Kosten tragen“, betont Professor Kunzmann. „Trotz wirtschaftlicher Zwänge, die alle deutschen Krankenhäuser betreffen, ist das ein Leuchtturmprojekt, für das unsere Geschäftsführung die Mittel bereitstellt“, hebt Thomas Fuchs hervor. „Unsere Arbeit wurde von Anfang an mit allem, was wir benötigen, unterstützt. Wir sind dankbar, dass sie an das Projekt und die Vision glaubt. Genauso wie die Mütter mit ihren Frühchen“, schließt Corina Uhl ab.

Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin

 

Die Frankfurter Frauenmilchbank wurde 2019 als Kooperationsprojekt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Univer­si­täts­kli­ni­kums Frankfurt unter der Leitung von Prof. Dr. Rolf Schlößer, Leiter der Neonatologie, und des DRK-Blutspendediensts Baden-Württemberg – Hessen unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c. Erhard Seifried, ärztlicher Direktor, sowie von Dr. med. Veronika Brixner, Fachärztin für Transfusionsmedizin des DRK-Blutspendediensts, etabliert. Sie ist bislang die einzige Einrichtung ihrer Art in Hessen.

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... am Bürger­hospital Frankfurt und am Clementine Kinder­hospital

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Die Geburt eines Frühchens markiert oft den Beginn einer emotionalen Achterbahnfahrt für Eltern und medizinisches Fachpersonal gleichermaßen. Der frühe Start ins Leben erfordert neben dem Kämpfergeist des Frühchens auch fortschrittliche medizinische Versorgung sowie eine besondere Form der Pflege und Nahrungszufuhr. Seit Sommer 2022 kann die Klinik für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin des Bürger­hospitals stationär behandelte Frühgeborene mit Spenderinnenmilch versorgen. Möglich macht das die Kooperation mit der Frankfurter Frauenmilchbank.

Die Geschichte der Muttermilchspende reicht weit in die Vergangenheit zurück. Bereits in alten Kulturen gab es ein Ammenwesen, um Kinder von Frauen mit wenig Milch unkompliziert und gesund zu ernähren. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich dann in verschiedenen Ländern die Idee von Muttermilchbanken. Die Muttermilchbanken, wie wir sie heute kennen, entstanden aus der Erkenntnis, dass Frühgeborene, die oft mit niedrigem Geburtsgewicht zur Welt kommen, besondere Unterstützung bei der Ernährung benötigen, um ihr Immunsystem zu stärken und sich optimal zu entwickeln. Wissen­schaft­liche Studien zeigen, dass Muttermilch eine Vielzahl von Nährstoffen, Antikörpern und Enzymen enthält, die für die gesunde Entwicklung von Frühchen entscheidend sind. In Deutschland gibt es heute knapp 40 Muttermilchbanken, die an Kliniken angeschlossen sind. Alle mit dem Ziel, die Gesundheit und Über­le­bens­chancen von Frühgeborenen und kranken Neugeborenen zu verbessern. „Wir erleben eine Renaissance von Muttermilchbanken in Deutschland. Wissen­schaft-lich wird immer deutlicher, dass Muttermilch mit Abstand die beste Nahrung ist, auch die von Spenderinnen“, hält Prof. Steffen Kunzmann, Chefarzt der Klinik für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin, fest.

Als 2019 die Frankfurter Frauenmilchbank als Kooperationsprojekt zwischen dem DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg – Hessen und der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Univer­si­täts­kli­ni­kums Frankfurt etabliert wurde, stand für Corina Uhl fest: „Da wollen wir mitmachen!“ Gemeinsam mit Prof. Kunzmann und Thomas Fuchs, Oberarzt der Neonatologie, leitet die erfahrene Gesundheits-/Kinder­kran­ken­schwester und Stillexpertin die inter­dis­zi­pli­näre Projektgruppe der Frauenmilchbank am Bürger­hospital. Seit einem Jahr kooperiert diese mit der Frankfurter Frauenmilchbank bei der Gewinnung von Muttermilch-spenden.

Im Bürger­hospital betreute Frühchen, deren Mütter aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht ausreichend Muttermilch produzieren können, haben jetzt die Möglichkeit, mit Frauenmilch registrierter Spenderinnen ernährt zu werden. „Die Gründe sind unterschiedlich, so kommt die gespendete Frauenmilch auch zum Einsatz, wenn die Mutter beispielsweise einen Kaiserschnitt hatte, auf der Intensivstation liegt, eine schwere Präeklampsie vorliegt oder sie so viele Medikamente zu sich nimmt, dass wir die Milch nicht verwenden können“, erklärt Thomas Fuchs. Ziel sei es, die Versorgung der extrem kleinen Frühgeborenen (unter 28 Schwanger­schafts­wochen und 1.500 Gramm) mit Spenderinnen-milch über die ersten fünf bis sechs Lebenstage sicherzustellen.

Da sich die Zusammensetzung der Muttermilch je nach Stillzeitpunkt ändert, kommen für die Spenden nur Mütter von Frühgeborenen infrage. Diese Frauen haben in der Regel vor Kurzem entbunden und produzieren bereits ausreichend Muttermilch. „Wenn die eigene Mutter jedoch nur die geringste Menge Milch produziert, hat das Vorrang. Dann wird nur die benötigte Menge pro Tag mit Spenderinnenmilch ergänzt“, fügt Corina Uhl hinzu.

Doch wie gelangt diese „flüssige Medizin“ zu den Kindern? Die Abläufe der Muttermilchbank im Bürger­hospital Frankfurt sind durchdacht und sorgfältig organisiert. Stillende Frauen mit überschüssiger Muttermilch können sich als Spenderinnen registrieren lassen. Jede Spenderin unterzieht sich strengen Gesundheitschecks und Untersuchungen, um die Sicherheit ihrer Milch für die Verwendung zu gewähr­leisten. „90 Prozent der Frauen sind sofort Feuer und Flamme und würden gern spenden. Dank unserer guten Stillquote können wir derzeit alle kleinen Früh-geborenen innerhalb der ersten 24 Stunden mit Spenderinnenmilch versorgen. Das heißt auch, dass die Mütter direkt im Thema und dankbar sind, wenn sie selbst als Spenderinnen helfen können“, berichtet Corina Uhl.

Nachdem der Blutspendedienst grünes Licht für die Blutproben der registrierten Mütter gegeben hat, pumpen die ausgewählten Spenderinnen ihre überschüssige Muttermilch in speziell etikettierte Milchfläschchen ab. Um Frische und Nährstoffe zu bewahren, wird die Milch eingefroren und über den hausinternen Fahrer an die Kolleg:innen des Blutspendediensts übergeben. Ein Teil der abgepumpten Frauenmilch wird dort aufgetaut und gemischt (Pooling). Vor der Weiterverarbeitung wird die Milch auf Verunreinigungen und Infektionen getestet. Um schädliche Bakterien abzutöten und die Milch für die empfindlichen Frühchen sicher zu machen, wird die gespendete Muttermilch in Portionen von etwa 50 ml abgefüllt und pasteurisiert. „Sobald die Tests bestätigen, dass alles sicher verwendet werden kann, erhalte ich die Freigabe und kann sie wieder abrufen. Wenn die Milchflaschen wieder bei uns eintreffen, werden sie aufgetaut und in sorgfältig kontrollierten Mengen an die Frühgeborenen gegeben. Vom Abpumpen bis zur Fütterung dürfen nicht mehr als sechs Monate vergehen“, beschreibt Corina Uhl den Ablauf.

Während der Schwangerschaft wird das Kind im Bauch der Mutter auf die Situation vorbereitet, in die es hineingeboren wird. Die Milch der eigenen Mutter vermittelt dem Kind die gleiche Stoffwechselzusammensetzung, die es bereits durch die Plazenta erhalten hat. Die Zusammensetzung der Milch ändert sich jedoch im Laufe der Zeit. Nach vier Wochen unter-scheidet sich die Milch einer Mutter, die früh geboren hat, nicht mehr von der Milch einer Mutter, die termingemäß entbunden hat. „Daher ist die Milch in den ersten vier Wochen so wertvoll für die Frühchen“, betont Thomas Fuchs.

Gespendete Muttermilch von einer Mutter mit Frühgeburt bietet, nach der Milch der eigenen Mutter, eine maßgeschneiderte Lösung, die speziell auf die Bedürfnisse von Frühchen abgestimmt ist. Sie fördert nicht nur Wachstum und Entwicklung, sondern stärkt auch das Immunsystem. Das ist von entscheidender Bedeutung und erhöht nicht nur die Über­le­bens­chancen, sondern vermeidet auch langfristige Gesundheitsprobleme. Laut Prof. Kunzmann legen wissenschaftliche Daten dar, dass sich durch die eigene Muttermilch oder Spenderinnenmilch das Risiko für die Nekrotisierende Enterokolitis (NEC), eine oft tödlich verlaufende Darmentzündung, deutlich reduzieren könne. „Natürlich ist die Rohmilch der eigenen Mutter das Optimum. Wenn es ein Ranking gäbe, wäre die unverarbeitete Milch der eigenen Mutter an erster Stelle, gefolgt von roher gespendeter Milch, verarbeiteter gespendeter Milch und schließlich Formula-Nahrung“, hebt Thomas Fuchs hervor. Professor Kunzmann betont ebenfalls, „dass wir mit der Pasteurisierung einen hohen Preis für die Sicherheit zahlen. In anderen Ländern wird die Milch nicht pasteurisiert, da sie so noch wirksamer ist. Allerdings besteht dann auch ein Restrisiko für eine Zytomegalie-Infektion. Hier gehen die Meinungen der Fachleute auseinander. In Europa legen wir mehr Wert auf Sicherheit.“ 

Nach einem Jahr der Startphase kann das Projektteam am Bürger­hospital stolz behaupten, sein Ziel erreicht zu haben: Alle Frühgeborenen unter 28 Wochen und 1.500 Gramm werden bei Bedarf mit Spenderinnen-milch versorgt. Dank der hohen Stillquote im Bürger­hospital besteht sogar ein Milchüberschuss, der laut Corina Uhl ausreicht, um zwei Kliniken zu versorgen. Dennoch erfordert der gesamte Prozess spezielle Ausrüstung, medizinisches Fachpersonal sowie Forschung und Qualitäts-kontrolle. „Wie oft in der Medizin zeigt der Fortschritt, dass Muttermilch oder Spenderinnenmilch am besten ist. Alle sind begeistert, aber weder der Staat noch die Krankenkassen möchten die dafür nötigen  Kosten tragen“, betont Professor Kunzmann. „Trotz wirtschaftlicher Zwänge, die alle deutschen Krankenhäuser betreffen, ist das ein Leuchtturmprojekt, für das unsere Geschäftsführung die Mittel bereitstellt“, hebt Thomas Fuchs hervor. „Unsere Arbeit wurde von Anfang an mit allem, was wir benötigen, unterstützt. Wir sind dankbar, dass sie an das Projekt und die Vision glaubt. Genauso wie die Mütter mit ihren Frühchen“, schließt Corina Uhl ab.

Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin

 

Die Frankfurter Frauenmilchbank wurde 2019 als Kooperationsprojekt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Univer­si­täts­kli­ni­kums Frankfurt unter der Leitung von Prof. Dr. Rolf Schlößer, Leiter der Neonatologie, und des DRK-Blutspendediensts Baden-Württemberg – Hessen unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c. Erhard Seifried, ärztlicher Direktor, sowie von Dr. med. Veronika Brixner, Fachärztin für Transfusionsmedizin des DRK-Blutspendediensts, etabliert. Sie ist bislang die einzige Einrichtung ihrer Art in Hessen.

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  • Großes Herz für nierenkranke Kinder – Die Nephrologie am Clementine Kinder­hospital
  • Im Porträt: Patien­ten­für­spre­cherin Marion Weber
  • Teamtrainings für den Notfall – Simulationszentrum für das Bürger­hospital und Clementine Kinder­hospital
  • Im Gespräch: Abschied von Geschäftsführer Wolfgang Heyl
  • Von der Theorie zur Praxis – Das Praktische Jahr für Medizinstudierende am Bürger­hospital

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