Die mit dem Durchblick: MTRAs am Bürgerhospital

Die Bandbreite an Fällen, die in der Radiologie untersucht werden, ist groß. Medizinisch-technischen Radio­lo­gie­as­sis­tenten (kurz MTRA) liefern mit radiologischen bildgebenden Verfahren die Basis für eine fundierte Diagnostik. Doch wie sieht der Berufsalltag eines MTRA genau aus? Um dieser Frage nachzugehen begleiten wir das MTRA-Leitungsteam, bestehend aus Nina Gagiannis und Benjamin Zimmermann, einen Tag lang bei der Arbeit.

Wir starten unseren Rundgang vor der Pausenküche der Radiologie. Seit 2020 leiten Nina Gagiannis und Benjamin Zimmermann das 13-köpfige MTRA-Team im Bürgerhospital in Frankfurt. Während Gagiannis neben ihrer Tätigkeit als MTRA in ihrer Leitungsfunktion mit Dienstplänen, Zeiterfassungen etc. für das Personal zuständig ist, übernimmt Zimmermann zusammen mit der Medizintechnik die Überwachung und Wartung der in der Radiologie eingesetzten Geräte.

Doch wann und wie kommen diese Geräte zum Einsatz? „Ob Notfallambulanz, Orthopädie, Kinderchirurgie oder Intensivstation – genau genommen haben wir Berührungspunkte mit allen Fachbereichen und das über 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche“, hält Zimmermann fest. Dabei kommen sie mit Menschen unter­schiedlichen Alters, unter­schied­licher Herkunft und mit verschiedenen Krank­heits­bil­dern in Kontakt. „Empathie und Finger­spitz­en­ge­fühl sind in diesem Beruf essenziell“, erklärt Gagiannis. Neben dem sozialen Aspekt sind jedoch auch physikalisch-technische und medizin­ische Kenntnisse unerlässlich, um die in der Radiologie eingesetzten modernen Geräte bedienen zu können.

Ein solches ist etwa der Computertomograf (kurz CT). Die Computertomografie zählt zu einer besonderen Form des Röntgens. „Am Bürgerhospital arbeiten wir mit einem 128-Zeiler. Zeilen sind vergleichbar mit den PS beim Auto und geben die Geschwindigkeit des CTs an. Unser CT gehört damit zu den schnellsten“, veranschaulicht Zimmermann. Nachdem sie alles für die Untersuchung vorbereitet haben, informieren sie den Patienten über die kommenden Schritte. „Wegen der Strah­lungs­be­las­tung wechseln wir jedoch während der Aufnahme in einen Nebenraum. Von hier aus steuern wir die Patienten auf der Liege durch den rotierenden Ring. Über ein Fenster und eine Gegen­sprech­anlage beobachten wir die Aufnahmen und geben Anweisungen, wann ein- und auszuatmen ist, damit das Bild nicht verwackelt“, erklärt Zimmermann. An­schließend werden die gewonnenen Bilder durch die Radiologen analysiert und befundet. Die Computertomografie spielt insbesondere bei Unter­suchungen des Kopfes, der Wirbelsäule, der Lunge, des Bauchraumes und der Knochen eine wichtige Rolle. Bei manchen Fragestellungen lässt sich die Genauigkeit der Untersuchung durch die Gabe eines Kontrastmittels erhöhen. „Eine CT-Untersuchung kommt häufig in der Notfall­dia­gno­stik zum Einsatz, wo es schnell gehen muss. Hier lassen sich beispielsweise Frakturen von Schädelknochen und Schädelbasis gut erkennen. Aber auch Verletzungen des Gehirns wie Prellungen, Quetschungen oder Blutungen werden im CT sichtbar“, fügt Gagiannis hinzu.

Beim Röntgengerät angekommen, fallen eine Kleiderstange mit bunten „Schürzen“, an Seilen hängende Gewichte sowie große „Bauklötze“ aus Schaumstoff auf. „Wir sind hier im Raum für die konventionelle Röntgen­un­ter­suchung, auch „Projek­tions­ra­dio­grafie“ genannt. Die Bleischürzen decken umliegende empfindliche Körperregionen ab und schützen während der Aufnahme vor unnötiger Strah­len­be­las­tung. Je nachdem welches Körperteil untersucht werden soll, werden die Röntgenaufnahmen im Stehen, Sitzen oder Liegen gemacht. Mit den ,Bauklötzen‘, auch Keile genannt, helfen wir den zu Untersuchenden beim Lagern und Positionieren einzelner Körperteile. Die Gewichte kommen bei Belast­ungs­auf­nahmen zum Einsatz, etwa um zu prüfen, ob alle Bänder an der Schulter in Ordnung sind. Diese halten Patienten während der Aufnahme in beiden Händen, um den behandelnden Ärzten einen Vergleich zwischen gesunden und kranken Armen aufzuzeigen“, erklärt Gagiannis.

Die Röntgenaufnahme selbst dauert nur wenige Millisekunden. Dabei befindet sich hinter dem Körper in einer sogenannten Kassette eine Art Film, der durch die Röntgenstrahlung belichtet wird. Das dadurch erzeugte Bild wird anschließend von den MTRAs ausgelesen und am Monitor auf seine Aufnahmequalität überprüft, bevor es an die Radiologen für die Befundung weitergeleitet wird. Neben den statischen Röntgenaufnahmen assistieren die MTRAs den Radiologen auch bei der Durchführung sogenannter Durch­leuch­tungs­un­ter­such­ungen. Dabei entsteht eine dynamische Bildsequenz, ähnlich einem Videoclip. In ihr können zum Beispiel bei einem Kind Engstellen in der Speiseröhre mithilfe von Kontrastmittel sichtbar gemacht werden.

Wir gehen weiter zum offenen Hochfeld-Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­phen, den meisten auch als offenes MRT bekannt. Anders als die CT- und die konventionellen Röntgenaufnahmen funktioniert das MRT nicht auf Basis von Röntgenstrahlen, sondern erzeugt seine Schichtaufnahmen mithilfe von Magnetfeldern und Radiowellen. Beim offenen MRT läuft die Spule nicht kreisförmig um den Patienten herum, sondern ist auf zwei dicke Scheiben aufgeteilt, zwischen denen der Patient liegt und hinausschauen kann. Damit eignet es sich vor allem für Aufnahmen von Kinderschädeln, Menschen mit Platzangst, älteren Patienten sowie Menschen mit Übergewicht. Bei einem Patienten, dessen Sprunggelenk untersucht werden soll, fixieren die MTRAs sein Bein in einer Spule, um es während der Aufnahme möglichst ruhig zu halten. Ausgestattet mit Ohrstöpseln und Kopfhörern, wegen des vom MRT ausgehenden Lärms, sowie einem Notfallknopf, mit welchem er sich durch Drücken bemerkbar machen kann, ist er bereit für die Aufnahmen. Die Metalltür zum MRT hinter sich zuziehend erklärt Zimmermann: „Das Gerät hat einen starken Magneten, daher dürfen im Raum keine weiteren Metall­ge­gen­stände sein, sonst würden die Sachen kaputtgehen und könnten den Patienten gefährden.“ Ein MRT dauert zwischen 15 und 45 Minuten, in der Regel werden 30 bis 40 Bilder von einer Lage gemacht, das dauert meistens drei bis vier Minuten.

Beeindruckt von den technischen Möglichkeiten und dem nötigen Know-how der MTRAs möchte ich nach unserem Rundgang wissen, was sie an ihrem Beruf so reizt: „Nach Abschluss meiner dreijährigen Berufsausbildung habe ich mehrere Jahre Erfahrungen und Eindrücke in anderen Häusern sammeln können. Daher weiß ich meine abwechs­lungs­reiche Arbeit und die Zusammenarbeit mit den Kollegen hier sehr zu schätzen“, erklärt Zimmermann. Anders als ihr Kollege startete Gagiannis direkt im Bürgerhospital. „Anfangs hatte ich überlegt, ob es nicht sinnvoll wäre, nach der Ausbildung erst einmal bei einem Maximalversorger, einer großen Klinik zu starten, um alles einmal gesehen zu haben. Im Nachhinein bin ich froh, mit einem ‚kleineren Haus‘ in die Berufswelt gestartet zu sein. Man bekommt häufiger mit, wie Patienten anderenorts schnell durchgeschleust werden. Wir hin­gegen nehmen uns die Zeit, um auf die Menschen mit ihren Fragen und Ängsten einzugehen“, hebt Gagiannis hervor. In einem sind sich beide einig: Ein Wechsel war nie ein Thema. „Das Klima hier ist toll, da hat man kein Bedürfnis weiterzuziehen“, hält Gagiannis abschließend fest.

 

Diagnostische und Interventionelle Radiologie

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