„Überall sollte Trinken in Reichweite stehen“ - Wie ältere Menschen zum Trinken angeregt werden können

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist bei großer Sommerhitze das A und O. Nur so kann unser Kreislauf richtig arbeiten. Bei den meisten Menschen reguliert sich der Flüssigkeitshaushalt von selbst - denn wer schwitzt, verspürt auch Durst. Ältere Menschen, trinken dagegen oft nicht ausreichend und laufen Gefahr, ernste Erkrankungen zu entwickeln. Wir haben zu diesem wichtigen Thema mit Dr. rer. med. Astrid Wächtershäuser gesprochen, die als Ernäh­rungs­wissen­schaft­lerin am Bürgerhospital Frankfurt Patienten ernährungstherapeutisch betreut.

Warum fällt es älteren Leuten mitunter schwer, ausreichend zu trinken?

Dr. Wächtershäuser: Viele ältere Menschen haben einfach ein eingeschränktes Durstgefühl. Besonders bei heißem Wetter haben sie dann ein erhöhtes Risiko, eine Dehydratation zu erleiden. Zudem reduziert sich der Wassergehalt des Körpers im Alter, gleichzeitig nimmt die Fähigkeit der Niere zur Konzentration des Harns ab.

Man darf als Angehörige nicht die Auswirkungen der eingeschränkten Mobilität und der oftmals verschlechterten Feinmotorik unterschätzen. Wenn es schwerfällt, aus dem Sitzen aufzustehen und jeder Schritt Mühe macht, dann stehen ältere Menschen auch nicht gerne auf, um sich etwas zu trinken zu holen. Oft haben sie auch die (begründete) Angst, dadurch häufig auf Toilette gehen zu müssen.

Aber auch psychosoziale und krankheitsbedingte Faktoren spielen eine Rolle. Da Essen und Trinken auch gesell­schaft­liche Ereignisse sind, reduzieren sich Appetit und Durst bei älteren Menschen auch, wenn sie oft allein sind.

Welche Folgen kann das haben?

Dr. Wächtershäuser: Dauerhaft kann ein Flüssigkeitsmangel zu Dehydratation und Exsikkose (Austrocknung) führen, die mit Kopfschmerzen, schwindender Konzentration, Austrocknung von Haut und Lippen und unangenehmer Verstopfung einhergeht. Eine Dehydratation erhöht das Risiko für Harnwegsinfekte sowie Thromboembolien und beeinträchtigt die Kreis­lauf­funk­tion, sodass es zu Stürzen und Frakturen kommen kann. Auch die Speichelproduktion leidet darunter, und die Nahrungsaufnahme wird beeinträchtigt.

Bei welchen gesund­heits­ge­fähr­denden Anzeichen sollten Angehörige hellhörig werden?

Dr. Wächtershäuser: Wenn der Urin stark eingefärbt ist, ist dies ein deutliches Zeichen für einen Flüssigkeitsmangel. Wenn noch Schwindel, Bewusst­seins­trü­bungen, Benommenheit oder Verwirrtheit, Krämpfe und Fieber dazu kommen, sollten Angehörige umgehend auf die Flüssigkeitszufuhr achten. Eine trockene Haut und Schleimhäute und verminderte Hautspannung (erkennbar an stehenbleibenden Hautfalten) sind ebenfalls Warnsignale. Grundsätzlich sollte man nicht erst warten, bis sich das Durstgefühl einstellt, sondern über den Tag verteilt immer wieder trinken, damit der Körper ausreichend versorgt ist und leistungsfähig bleibt.

Wie kann man ältere Menschen dazu bewegen, ausreichend zu trinken?

Dr. Wächtershäuser: Die offizielle Empfehlung der Deutschen Gesell­schaft für Ernährung lautet, dass ein Erwachsener etwa 1,5 Liter Flüssigkeit pro Tag zu sich nehmen sollte. Unter bestimmten Bedingungen, wie sehr heißes Klima, Krankheiten mit Fieber, Erbrechen, Durchfall oder körperlicher Anstrengung braucht man mehr Flüssigkeit. Als Durstlöscher eignen sich alle nicht-alkoholischen, nicht zu süßen Getränke wie Wasser (zum Beispiel aromatisiert mit Minze, Ingwer oder Zitrone), Tee und Saftschorlen. Natürlich unter Berücksichtigung eventueller Vorerkrankungen.

Angehörige sollten darauf achten, dass überall, wo man sitzt oder liegt etwas zu Trinken gut sichtbar in Reichweite ist. Verwenden Sie große Gläser. Kochen Sie oft Suppen, bieten Sie wasserhaltiges Obst, Fruchtpüree oder Kaltschalen an. Sie können auch Rituale vereinbaren, etwa, dass direkt nach dem Aufwachen ein Glas getrunken wird oder zu jeder Mahlzeit. Auch ein regelmäßiger Alarm an einer Armbanduhr kann helfen, an das Trinken zu erinnern. Diese kleinen Maßnahmen können durchaus helfen, die Flüssigkeitszufuhr zu steigern.

 

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Klinik für Pneumologie, Kardiologie und Beatmungsmedizin

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