Veränderungen in der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie - Neuer Chefarzt und neue Struktur

Seit 1. April 2017 leitet Dr. med. Christoph Theis die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Bürgerhospital Frankfurt. Er tritt die Nachfolge von Dr. med. Jörn Kunz an, der sich Ende März nach 23 Jahren Bürger­hos­pi­tal­zu­ge­hö­rig­keit in den Ruhestand verabschiedete. Anlässlich seiner offiziellen Einführung am 31. Mai sprach Kristin Brunner mit dem Chefarzt über seine neue Aufgabe, Heraus­for­de­rungen und Veränderungen.

Herr Dr. Theis, seit 1. April dieses Jahres sind Sie Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Bürgerhospital. Machen Sie nun alles neu?

Nein. Alles neu zu machen, ist nicht notwendig. Ich habe von meinem Vorgänger Dr. Kunz eine gut funktionierende Abteilung mit einem motivierten Team übernommen. Doch bringt ein neuer Chefarzt natürlich auch immer Veränderungen mit sich. Bei mir ist das nicht anders. Dies beginnt bei organisatorischen Dingen, geht über neue Opera­tions­me­thoden und drückt sich auch in unserem medizin­ischen Leis­tungs­spek­trum aus. Toll finde ich, dass das komplette Team und auch die Geschäftsführung des Bürger­hospitals diesen Veränderungen sehr positiv gegenüberstehen und offen für Neues sind.

Inwiefern verändert sich das Leis­tungs­spek­trum?

In meiner vorherigen Tätigkeit als Leitender Oberarzt an der Orthopädischen Universitäts­klinik Friedrichsheim war ich u.a. stell­vertretender Leiter und Senior- Hauptoperateur des Endo­pro­the­sen­zen­trums der Maxi­mal­ver­sor­gung (EPZ). Es ist daher naheliegend, dass ich diese Expertise nutze und nun den Fokus der Klinik am Bürgerhospital noch stärker auf den Ersatz von Knie, Hüft- und Schultergelenken lege. Hierbei verwenden mein Team und ich bewährte Implantate, die sich auf dem aktuellsten Entwick­lungs­stand befinden. Im Einzelfall setzen wir auch Individualimplantate ein, die eigens für den Patienten angefertigt werden. Neben diesen Erstimplantationen führen wir auch Wechseloperationen durch. Bei diesen werden bereits eingesetzte Kunstgelenke, die nicht mehr fest verankert sind, entweder teilweise oder, wenn unumgänglich, komplett ersetzt. Jedoch ist in vielen Fällen ein Gelenkersatz zunächst gar nicht notwendig. Bei weniger stark fort­ge­schrit­tenem Gelenkverschleiß (Arthrose) kann häufig eine gelenkerhaltende Operation (Knorpelersatz, Umstel­lungs­osteo­tomie), insbesondere am Kniegelenk, sinnvoll sein. Darüber hinaus bieten wir im Bereich der Hüfte gelenkerhaltende Operationen (Impingement-Chirurgie) auch arthroskopisch an.

Werden Sie auch weiterhin Sport­ver­let­zungen operieren?

Definitiv. Die Versorgung von Sport­ver­let­zungen wie Kreuzband- und Meniskusrissen am Kniegelenk oder Knor­pel­ver­letz­ungen ist der zweite Schwerpunkt meiner Klinik. Diese werden, wenn immer möglich, minimalinvasiv von uns durchgeführt. Dadurch ermöglichen wir Breiten- ebenso wie Profisportlern eine möglichst rasche Genesung und Rückkehr auf das Spielfeld. Vollkommen neu im Leistungsangebot der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie ist der Bereich Handchirurgie. Mit unserem neuen Oberarzt Dr. med. Christian Betz konnten wir einen Spezialisten für dieses diffizile Fachgebiet gewinnen.

Eine der Veränderungen war auch struktureller Natur. Dr. med. Jacek Ledwon, der schon seit vielen Jahren Oberarzt der Klinik ist, leitet nun den Klinikbereich Unfallchirurgie.

Ja, Dr. Ledwon ist seit April Leiter des Klinikbereichs Unfallchirurgie. Diese Stelle haben wir neu geschaffen, um Unfallverletzungen sowie Arbeits-, Schul- und Wegeunfälle (D-Arztverfahren) noch besser versorgen zu können. Mir ist es wichtig, dass wir in unserem breit aufgestellten Leis­tungs­spek­trum jeweils einen Experten haben. Ich habe vollstes Vertrauen in die Expertise meiner Oberärzte und ermuntere sie, sich aktiv in ihren Teilbereich einzubringen und die Freiheiten, die ich ihnen gebe, zu nutzen.

Wie ist Ihr erster Eindruck vom Bürgerhospital?

Durchweg positiv. Durch alle Berufsgruppen hinweg wurde ich freundlich empfangen und habe gleich gespürt, dass sich die Mitarbeiter dem Bürgerhospital sehr verbunden fühlen. Beeindruckend fand ich, dass der Geist des Stifters Sencken­berg heute tatsächlich noch gelebt wird. Sowohl die Krankenhausleitung als auch die übrigen Berufsgruppen zeigen ein hohes soziales Verant­wor­tungs­be­wusst­sein und nehmen die Aufgabe, ihren Teil zur Gesundheits­ver­sor­gung der Frankfurter Bürger beizutragen, aktiv an – genau so, wie es Sencken­berg einst wollte. Ich finde es schön zu sehen, dass in Zeiten allgemeinen Kostendrucks nicht nur auf den Heller und Pfennig geschaut wird, sondern man auch ein Auge darauf hat, ob z.B. ein älterer Patient nach der Entlassung adäquat versorgt werden kann. Das ist nicht mehr unbedingt gängige Praxis. Gut finde ich auch, dass die Pflege sich aktiv in die Therapie und das Team einbringt. Das Pflegeteam der Orthopädie und Unfallchirurgie identifiziert sich sehr stark mit seinem Fachgebiet und es gibt eine starke Verzahnung mit uns Ärzten. Das begrüße ich sehr.

Chefarzt ist eine ganz neue Rolle für Sie. Mitarbeiterführung ein wichtiges Thema. Wie gestalten Sie diese?

Als ich als Arzt angefangen habe, herrschte an den meisten Kliniken noch der eher patriarchische Führungsstil mit starkem Hierarchiedenken. Das ist heute nicht mehr modern und so möchte ich auch nicht führen. Natürlich trage ich am Ende des Tages die Verantwortung, doch ist es mir wichtig, meine Mitarbeiter in grundlegende Änderungen einzubinden und ihre Ideen und Bedürfnisse wenn möglich zu berücksichtigen. Nur so kann man heute seine Mitarbeiter motivieren, und das wirkt sich im Endeffekt auch wieder positiv auf die Versorgung der Patienten aus.

Warum sind Sie Arzt und Orthopäde/ Unfallchirurg geworden?

Eigentlich fing alles mit meiner Sport­be­geis­terung und der ein oder anderen damit verbundenen Verletzung an. So bin ich zunächst mit der Sportmedizin in Berührung gekommen und merkte, dass mich das interessiert. Dass ich Medizin studieren wollte, war mir erst kurz vor dem Abitur klar. Davor hatte ich noch zwischen Medizin, Pharmazie und Biochemie geschwankt. Die Biochemie schied schnell aus, da mir der Kontakt zu Menschen wichtig war, und als Apotheker waren mir die Möglichkeiten, aktiv an der Behandlung des Patienten mitzuwirken zu gering. Nach meinem Zivildienst als Rettungs­sa­ni­täter und einem Praktikum in der Chirurgie habe ich dann also Medizin studiert. Zwischenzeitlich habe ich mit der Anästhesie und Notfallmedizin geliebäugelt, doch während meines Praktischen Jahres kam ich dann wieder auf die Orthopädie zurück. Und mit dieser Entscheidung bin ich heute noch glücklich.

Was ist das Spannende an Ihrem Job?

Die Zusammenarbeit mit Menschen. Zwar haben wir gewisse Standards und Richtlinien, an denen wir unsere Behandlung ausrichten, doch jeder Patient, jeder Knochenbruch, jeder Gelenkverschleiß ist anders. Daher ist auch jede Behandlung anders. Wir müssen stets die individuelle Situation des Patienten beachten und dann entscheiden, welche Therapie für ihn am Besten ist. Das macht diesen Beruf trotz aller notwendiger Routine so spannend.

Was sind die Nachteile?

Leider können wir - trotz aller moderner Medizin - nicht jedem Patienten seine Lebensqualität zurückbringen. Das belastet zuweilen.

Nun noch ein, zwei Worte zur Privatperson Dr. Theis. Wie gestalten Sie einen Tag in Ihrer Freizeit?

Mit der Geburt unserer Tochter vor eineinhalb Jahren hat sich die Freizeitgestaltung von meiner Frau und mir natürlich ziemlich verändert. Ich verbringe so viel Zeit wie möglich mit den beiden. Meine Frau und ich reisen gerne. Früher haben wir vorwiegend Fernreisen unternommen. Das ist momentan natürlich eher eingeschränkt möglich. Mit unserer Tochter erkunden wir nun Europa. Ich fotografiere leidenschaftlich gerne, doch dafür fehlt mir derzeit leider etwas die Zeit und Muße. Mein Mountainbike habe ich aktuell gegen ein „normales“ Fahrrad eingetauscht, um mit meiner Familie kleinere und größere Fahrradtouren zu unternehmen. Generell bin ich ein ziemlicher Familienmensch. Wir freuen uns immer, wenn Familie und Freunde zu Besuch kommen, oder wir sie besuchen.

Herzlichen Dank für das Interview!

 

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Inwiefern verändert sich das Leis­tungs­spek­trum?

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Herzlichen Dank für das Interview!

 

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