Hebamme – wie geht das?

Wie funktioniert die Ausbildung zur Hebamme? Wo wird man während des praktischen Teils der Ausbildung eingesetzt? Und wie sind die Erfahrungen mit der 2017 neu gegründeten Hebammenschule in Frankfurt? Amelie Hoppe und Jessica Mock, zwei Hebammenschülerinnen, standen uns für ein Interview zur Verfügung.

Wie kamt ihr zu dem Berufswunsch „Hebamme“?

Amelie und Jessica antworten gemeinsam: Das ist in unserer Klasse komplett gemischt: Manche hatten schon einen anderen medizinischen Beruf und wollten weitermachen, manche kamen durch Geburtsvorbereitungskurse drauf. Anderen liegt der Beruf vom Wesen her. Wir haben tatsächlich auch einen Mann im Kurs, das finden alle super! Er möchte übrigens auch „Hebamme“ genannt werden, Entbindungspfleger als Berufsbezeichnung geht ihm zu sehr am Beruf vorbei. Die Altersstruktur im Kurs geht von 19 bis 38 Jahre.

Wie kamt ihr zu dem Berufswunsch „Hebamme“?

Jessica Mock: Ich war schon früh am Suchen, habe nach Ausbildungsmöglichkeiten geschaut.

Amelie Hoppe: Das war ein Zufallsfund!

Beide: Wir sind sehr zufrieden. In dem Schulgebäude, das zur Uni-Klinik gehört, gibt es eine Schulbibliothek, PCs, die Ausstattung ist sehr gut. Wir haben drei Lehrerinnen, auch die Leiterin unterrichtet. Dazu kommen externe Referenten, Ärzte, auch die Pflegedirektorin des Bürger­hospitals unterrichtet uns.

Seit wann macht ihr die Ausbildung, wie lange dauert sie, wie läuft sie ab?

Beide: Die Ausbildung dauert drei Jahre. Wir haben beide am 1.9.2017 angefangen. Zwei Tage in der Woche sind wir in der Schule, die anderen Tage arbeiten wir im
Bürger­hospital. Wir arbeiten wie alle Hebammen im Dreischicht-Dienst im Kreißsaal und werden zudem auch auf der Entbindungsstation und im Kinderzimmer  eingesetzt.

Erzählt doch noch etwas über eure praktische Ausbildung hier im Haus.

Beide überlegen kurz, lachen, reden fast zeitgleich: Die Grundregel: Alles theoretisch Gelernte dürfen wir anwenden. Dabei erhalten wir selbstverständlich Anleitung von den Hebammen. Besonders hilfreich sind für uns die Praxisanleiterinnen.

Die Pflegeeinsätze im Kinderzimmer und auf der Entbindungsstation sind interessant und wichtig. Wir können die ersten Tage der jungen Mutter verfolgen, bei deren Entbindung wir dabei waren, und sehen, wie das Neugeborene sich entwickelt. Auch bei Kaiserschnitten sind wir schon dabei gewesen. Die Operation zu beobachten, das war beeindruckend. Zweiwöchige Praktika in der Schwangeren-Ambulanz und in der Ultraschallabteilung/ Pränataldiagnostik haben wir auch schon hinter uns.

Die Mütter finden es gut, wenn eine Hebammenschülerin die Geburt begleitet. Jemand ist die ganze Zeit da, hält Blickkontakt, beobachtet den Fortgang der Geburt. Das gibt Sicherheit! Wir geben eine helfende Hand, trösten, unterstützen. Wir sind noch nie auf Ablehnung gestoßen. Die Väter sind meist auch dabei. Auch auf diese haben wir ein Augenmerk. Unser Motto hier: Hilfreiche Tipps geben, zum Beispiel eine Kreuzbeinmassage oder auch nur die Hand der Gebärenden halten nach dem Motto „Weniger ist mehr!“ Die Männer sind oft überrumpelt von der Naturgewalt, die sie miterleben und von der sie überrollt werden. Es gibt Phasen der Angst, der Belastung
– aber nach der „Explosion“ ist alles ganz schnell wieder weg, das Baby ist da! Auch das Begleiten der ersten Stillversuche und die Stillanleitung gehören zu unseren Aufgaben. In der Schule wurden wir hierzu bereits früh eingewiesen. Das Anlegen des Neugeborenen sollte direkt im Kreißsaal beginnen.


Nach Möglichkeit sollte die Anleitung der Stillenden in einer Hand bleiben, damit keine unterschiedlichen Aussagen entstehen. Das Übergabegespräch an eine andere Kollegin ist wichtig, denn es gibt hier viele Anlaufstellen: Krankenschwester, Hebamme, Stillberaterin. Die Wünsche der Stillenden stehen stets im Vordergrund! In den allermeisten Fällen haben wir glückliche Erlebnisse. Wir dürfen in diesem intimen und prägenden Moment bei den Eltern dabei sein. In der Regel verläuft eine Geburt gut. Im Notfall sind Fachleute sofort zur
Stelle. Das wirklich Tolle hier: Alles geht Hand in Hand. Der Kinderarzt/Neonatologe ist im Bedarfsfall sofort zur Stelle. Aber auch schon vor der Geburt schaut ein Diabetologe vorbei und berät die werdenden Mütter, die an Diabetes leiden.

 

Was macht euch am Beruf am meisten Freude?

Nach einer kleinen Bedenkzeit und intensivem Blickaustausch sind sich beide einig: Alles! Pauschal kann man das nicht sagen, denn es ist eine Kombination aus allem: Die Betreuung unter der Geburt und die Geburt selbst ist Freude. Die Betreuung des Neugeborenen ist Freude. Man darf so nah dabei sein, man begleitet die jungen Mütter und ihre Partner im Wochenbett. Es ist ein unheimlich harmonischer Beruf mit viel Action und sehr viel Verantwortung! Jede Geburt ist anders, man kann keine Regel aufstellen, das gefällt uns.

Wo seht ihr euch in zehn Jahren?

Für Jessica und Amelie keine Frage: Wir werden nach dem Examen weiter in einer Klinik arbeiten, viel Erfahrung sammeln, Sicherheit und die nötige Routine gewinnen – immer mit dem Satz im Hinterkopf: Es gibt bei Geburten keine Routine! Weiter­bildung ist uns ebenfalls wichtig, z. B. zur Stillberaterin. Sich selbstständig machen, ein zweites Standbein schaffen mit Nachbetreuung oder mit Kursen – alles ist möglich,
schauen wir, was die Zukunft bringt! Wir sind offen für alles. Wir lassen uns flexibel auf das ein, was kommt und sind gespannt!

Vielen Dank für das Interview!

 

Weitere Informationen zur Ausbildung auf unserer Karriereseite:

www.annersder.com/ausbildung

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