Wenn der Darm nicht zur Ruhe kommt. Hilfe bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind die beiden Hauptvertreter chronisch entzündlicher Darmkrankheiten. Ihre Entstehung ist bis dato unklar, eine Heilung durch medikamentöse Maßnahmen nach dem momentanen Kenntnisstand nicht möglich, Linderung jedoch schon. Die Therapie ist insbesondere bei den schweren Verlaufsformen sehr komplex, was eine besondere Erfahrung des behandelnden Arztes voraussetzt. Chefarzt der Medizinischen Klinik, Professor Dr. med. Oliver Schröder, PhD, verfügt über eine jahrelange klinische und wissenschaftliche Expertise auf dem Gebiet der chronisch entzündlichen Darmkrankheiten. In diesem Artikel spricht er über Ursachen, Symptome und Therapie der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind die beiden Hauptvertreter chronisch entzündlicher Darmkrankheiten (CED). Sie sind gekennzeichnet durch einen schubweisen Verlauf, bei dem sich Krankheitsphasen mit entzündlicher Aktivität und entsprechenden Beschwerden mit beschwerdefreien Intervallen abwechseln. Die Krankheitsschübe sind durch darmspezifische Symptome wie krampfartige Bauchschmerzen, Durchfall, häufigen Stuhldrang sowie klinische Zeichen eines Darmverschlusses und/oder den Abgang von Blut und Schleim gekennzeichnet. Darüber hinaus können Allgemeinsymptome wie Fieber, Gewichtsverlust, Müdigkeit und Abgeschlagenheit auftreten. Die Leistungsfähigkeit ist im Schub vielfach deutlich herabgesetzt. In etwa der Hälfte der Fälle entwickeln die Patienten auch Krankheitserscheinungen außerhalb des Verdauungstraktes. Hiervon sind insbesondere Gelenke, Haut, Augen sowie Leber und Gallenwege betroffen.

Bereits junge Menschen erkranken an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen sind trotz ungebremst steigender Neuerkrankungsraten von 15 bis 20 pro 100.000 Einwohner im Jahr noch relativ seltene Erkrankungen. Konservativen Schätzungen zufolge sind derzeit zwischen 300.000 und 400.000 Menschen in Deutschland betroffen. Aus sozialmedizinischer Sicht sind sie wegen des frühen Manifestationsalters, in dem CED festgestellt werden, mit einem Häufigkeitsgipfel zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr sowie der oft erheblichen Auswirkungen auf Aktivitäten und Teilhaben in den Feldern Ausbildung, Beruf, Partnerschaft und Familie bedeutsam. CED können jedoch grundsätzlich in jedem Lebensalter auftreten. So ist jeder fünfte Patient ein Kind oder Jugendlicher. Beide Geschlechter erkranken etwa gleich häufig an CED.

Der zeitlich oftmals unklare Beginn, die große Spannbreite an klinischen Symptomen sowie gelegentliche Schwierigkeiten in der Diagnostik verzögern nicht selten die Diagnosestellung, so dass in Einzelfällen mehrere Jahre vom Beginn der Symptome bis zur richtigen Diagnosestellung einer CED vergehen können. Im Mittel vergehen circa sechs Monate zwischen dem erstmaligen Aufsuchen eines Arztes und der Diagnosestellung.

Genaue Ursachen noch unbekannt

In den letzten Jahren hat ein bedeutender Wandel im Verständnis der Krankheitsursachen stattgefunden. So werden die CED nicht länger als autoimmune Funktionsstörungen verstanden. Stattdessen ist ein gestörtes Verhältnis zwischen der Barrierefunktion der Darmschleimhaut, der Darmflora und den Immunzellen des Darms in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses gerückt. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass nach wie vor die genauen Ursachen der Krankheitsentstehung nicht hinreichend verstanden sind.

Die Diagnose von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa setzt sich aus der Anamnese, dem klinischen Erscheinungsbild sowie der Kombination von endoskopischen, histologischen und radiologischen Untersuchungen zusammen. In einigen Fällen muss im Verlauf der Erkrankung diese Diagnostik wiederholt werden, um eine genaue Diagnose stellen zu können. Eine einzige Untersuchung zum Nachweis der beiden Erkrankungen existiert nicht. Darum ist es wichtig, bei der Diagnosestellung andere entzündliche, toxische, gefäß- oder erregerbedingte Ursachen einer Dünn- und/oder Dickdarmentzündung sowie das Vorliegen eines Darmkrebses auszuschließen.

Beim Morbus Crohn können alle Wandschichten des Verdauungstraktes betroffen sein. Die Ausbreitung ist ungleichmäßig, gesunde und entzündete Abschnitte wechseln sich ab. Sämtliche Abschnitte des Magen-Darm-Traktes einschließlich der Mundschleimhaut können befallen sein. Darüber hinaus besteht eine Tendenz zu Gangbildungen in benachbartes Gewebe (sogenannte Fisteln) und Eitereinschlüssen (Abszessen). Im Gegensatz dazu sind die entzündlichen Veränderungen bei der Colitis ulcerosa auf die Dickdarmschleimhaut beschränkt und breiten sich gleichförmig vom Mastdarm unterschiedlich weit mundwärts im Dickdarm aus.

Individuelle Therapie

Ziel der Behandlung ist es, eine Linderung der Beschwerden zu erwirken, die Entzündungsaktivität zu dämpfen und für ein langes, beschwerdefreies Intervall zu sorgen. Dabei richtet sich die Therapie grundsätzlich nach dem Schweregrad, dem Ausbreitungsmuster der Erkrankung, dem Ansprechen auf vorangegangene Therapien sowie nach der individuellen Patientensituation. Für die Behandlung von CED werden in erster Linie Medikamente eingesetzt. Das Risiko, zumindest einmalig aufgrund ihrer Erkrankung operiert werden zu müssen, beträgt für Patienten mit Morbus Crohn 40 bis 60 Prozent und für Patienten mit Colitis ulcerosa 10 bis 20 Prozent.

Aufgrund des individuell höchst unterschiedlichen Verlaufs sowie der Vielzahl an Therapieoptionen erfordert die Behandlung ein hohes Maß an ärztlicher Erfahrung und Kompetenz. Hierfür bedarf es eines langjährigen Umgangs in der Betreuung von CED-Patienten. Da Verlauf und Prognose der CED wesentlich durch das Krankheitsverständnis, die Mitarbeit und das Selbstmanagement des Patienten beeinflusst werden, ist eine umfassende Informationsvermittlung Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Arzt-Patienten-Beziehung. Dazu gehört auch, dass der CED-Experte ausreichend Zeit und Geduld mitbringt, um über die bloße Therapiebegleitung hinaus einfühlsam über die allfälligen emotionalen, sozialen, psychologischen, familiären und tagespraktischen Probleme beraten zu können. Im optimalen Fall erfolgt die Patientenbetreuung nicht durch einen einzelnen Arzt oder eine einzelne Ärztin, sondern durch ein Beratungs- und Behandlungsteam, das sich aus Spezialisten verschiedenster, mit der Betreuung von CED- Patienten befasster medizinischer Fachgruppen zusammensetzt (Gastroenterologie, Chirurgie, Ergo-/Physiotherapie, Ökotrophologie, Psychologie, Pflege).

Chefarzt
Prof. Dr. med. Oliver Schröder, PhD

1989-1995
Medizinstudium an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main

1995
Promotion über Membrantransport kurzkettiger Fettsäuren im Kolon in Frankfurt am Main

1995-2007
Ausbildung zum Internisten und Gastroenterologen am Universitätsklinikum Frankfurt bei Prof. Dr. W. F. Caspary und Prof. Dr. S. Zeuzem

1999-2001
Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bei Prof. Dr. B. Samuelsson und Prof. Dr. J. Haeggström am Karolinska Institut, Zentrum für Medizinische Biochemie und Biophysik, Stockholm, Schweden

2004
Anerkennung zum Facharzt für Innere Medizin

2006
Habilitation (Molecular properties and functional regulation of terminal isoenzymes involved in leukotriene C4 and prostaglandin E2 synthesis) und Anerkennung der Zusatzweiterbildung Proktologie

2007
Oberarzt und Unterrichtsbeauftragter der Medizinischen Klinik 1 am Universitätsklinikum Frankfurt am Main sowie Anerkennung zum Facharzt für Innere Medizin und Schwerpunkt Gastroenterologie und Anerkennung des akademischen Grades „Doctor of philosophy" (PhD) am Karolinska Institut, Stockholm, Schweden

2008-2011
Ausbildung zum Endokrinologen und Diabetologen am Universitätsklinikum Frankfurt bei Prof. Dr. K. Badenhoop

2012
Verleihung der akademischen Bezeichnung Außerplanmäßiger Professor

2013
Anerkennung zum Facharzt für Innere Medizin und Schwerpunkt Endokrinologie und Dia­beto­logie

Seit 1. März 2014
Chefarzt der Medizinischen Klinik am Bürger­hospital Frankfurt

 

Mitgliedschaften

  • Akademie für ärztliche Fortbildung und Weiter­bildung der Landesärztekammer Hessen
  • Bund deutscher Internisten (BDI)
  • Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
  • Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)
  • Europeans Crohn’s and Colitis Organisation (ECCO)

Weiterführende Informationen

CED-Ambulanz am Bürger­hospital

Seit dem 1. März 2014 ist Prof. Dr. med. Oliver Schröder, PhD, neuer Chefarzt der Medizinischen Klinik im Bürger­hospital Frankfurt. Er ist Facharzt für Innere Medizin mit den Schwerpunktkompetenzen Gastroenterologie, Endokrinologie und Dia­beto­logie sowie Proktologie. Vor seiner Berufung war Professor Schröder langjähriger Oberarzt an der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Frankfurt am Main. Als ausgewiesener Fachmann auf dem Gebiet chronisch entzündlicher Darmkrankheiten betreute er dort als langjähriger Leiter der CED-Ambulanz über 500 Patienten, insbesondere mit schweren Verlaufsformen von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Zudem beteiligte er sich an mehreren Therapiestudien und veröffentlichte viele Artikel zur Therapie und Versorgungsforschung von CED in renommierten nationalen und internationalen Fachzeitschriften.

Kurz nach seinem Amtsantritt erhielt Prof. Schröder die Ambulanzermächtigung zur Behandlung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa im Bürger­hospital. Seither kann er dort Betroffene ambulant behandeln und ihnen aus dem gesamten Spektrum etablierter medikamentöser Therapiemöglichkeiten die individuell bestmögliche Option anbieten. Zudem steht ihm die gesamte Palette moderner diagnostischer Methoden zur Verfügung. Auch besteht eine enge Kooperation mit den Kliniken für Allgemein- und Visceralchirurgie sowie für Dia­beto­logie und Ernährungsmedizin des Bürger­hospitals. Betroffene Patienten können sich von ihrem niedergelassenen Gastroenterologen oder einem fachärztlich tätigen Internisten in die CED-Ambulanz überweisen lassen.

CED Netzwerk Frankfurt am Main

Seit September 2014 trifft sich das CED Netzwerk Frankfurt am Main regelmäßig im Bürger­hospital. Alle zwei Monate kommen die Mitglieder der Selbsthilfegruppe am zweiten Donnerstag des Monats von 20.00 bis 22.30 Uhr zusammen, um sich auszutauschen. Weitere Informationen über das Netzwerk unter www.ced-netzwerk.de.

Medizinische Klinik am Bürger­hospital Frankfurt

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