Studie zu Dia­beto­logie - Deutliche Zunahme der Insulinpumpentherapie bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Typ 1 Diabetes

Immer mehr Kinder und Jugendlich mit Diabetes werden mit Insulinpumpen und Gukosesensoren behandelt. Durch den Einsatz dieser modernen Instrumente hat sich die Behandlungsqualität nachhaltig verbessert. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Beobachtungsstudie, an der Dr. med. Louisa van den Boom, Oberärztin und Leiterin der Kinder- und Jugenddiabetologie am Clementine Kinder­hospital, als Studienautorin mitgewirkt hat.

In die Studie wurden Daten von mehr als 96.500 Patienten allen Alters mit Typ 1 Diabetes aus dem DPV-Register (Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation) über den Zeitraum 1995 bis 2017 analysiert.

Behandlung bei Kleinkindern fast ausschließlich mit Insulinpumpe.

Die Auswertung ergab einen stetig steigenden Einsatz der Insulinpumpe. Besonders bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren ist sie inzwischen die Standardtherapie. Die deutlichste Zunahme ist bei Kleinkindern zu verzeichnen: 92 Prozent der Kinder unter sechs Jahren hatten im Jahr 2017 eine Insulinpumpentherapie. Bezogen auf alle Altersklassen nutzen 53 Prozent aller Patienten im Jahr 2017 eine Insulinpumpe.

Auch eine Zunahme des Einsatzes von Glukosesensoren in der Behandlung der Patienten mit Typ 1 Diabetes konnte aufgezeigt werden. Hier wird besonders bei Kindern unter sechs Jahren immer häufiger ein Glukosesensor eingesetzt. Mit der Zunahme dieser Messsysteme, die den Gewebezuckergehalt kontinuierlich prüfen, nahm die Häufigkeit von Blutzuckermessungen mittels einer Blutabnahme aus dem Finger in dieser Altersgruppe seit 2016 stetig ab.

Verbesserte Behandlungsqualität durch moderne Therapien

Durch diese Versorgung der Patienten mit modernen Sensoren und Insulinpumpen nahm auch die Behandlungsqualität zu. Der durchschnittliche Blutzuckerwert (HbA1c) der Patienten verbesserte sich nachweisbar. Auch Komplikationen wie Unterzuckerung (Hypoglykämie) und Koma konnten dadurch deutlich verringert werden. Besonders deutlich waren diese positiven Effekte im Vergleich zwischen der Insulinpumpentherapie und der Pentherapie, bei der das Insulin händisch mit eines Pens mit Nadel in den Bauch injiziert wird.

„Mit der Studie konnten wir zeigen, dass sich die Therapiemöglichkeiten von Diabetes-Patienten in den letzten Jahren deutlich verbessert haben. Moderne Technologien wie Insulinpumpen und Glukosensoren ermöglichen gerade Kindern und Jugendlichen einen ‚normaleren‘ Alltag und erleichtern ihnen den Umgang mit ihrer Erkrankung“, fasst Dr. van den Boom zusammen.

 

Weiterlesen:

Gesundheitsthema: "So normal wie möglich. Groß werden mit Diabetes."

Mehr über unsere Kinder- und Jugenddiabetologie

Beiträge aus der gleichen Kategorie

04.09.2019 - Gesundheitsthemen

Individualisierte Therapie des Grauen Stars mit Laser und Linsen

Seit Ende letzten Jahres können Patienten der Augenklinik im Bürger­hospital mit einer neuen Lasertechnik behandelt werden. Der sogenannte Femtosekundenlaser verbessert die Behandlungsqualität bei der Therapie des Grauen Stars maßgeblich. Prof. Dr. med. Fritz Hengerer, Chefarzt der Augenklinik, erläutert die Vorteile.

02.08.2019 - Gesundheitsthemen

Hebamme – wie geht das?

Wie funktioniert die Ausbildung zur Hebamme? Wo wird man während des praktischen Teils der Ausbildung eingesetzt? Und wie sind die Erfahrungen mit der 2017 neu gegründeten Hebammenschule in Frankfurt? Amelie Hoppe und Jessica Mock, zwei Hebammenschülerinnen, standen uns für ein Interview zur Verfügung.

03.07.2019 - Gesundheitsthemen

Wenn der Esstisch zum „Stress-Tisch“ wird: Vom Umgang mit Ess-Störungen in der Familie

In Europa leiden ca. 1-4% der Mädchen und jungen Frauen an Anorexia nervosa. Die Magersucht gehört damit zwar nicht zu den häufigen psychischen Erkrankungen, stellt jedoch für die Patientinnen einen potentiell lebensbedrohlichen Zustand dar und bedeutet für die betroffenen Familien eine enorme, oft monatelang andauernde Belastung. Aktuell zeigt sich eine Verschiebung des Ersterkrankungsalters nach unten: Mitunter werden bereits 9 oder 10-jährige Mädchen mit Magersucht am Clementine Kinder­hospital therapiert.