Hochintensiver fokussierter Ultraschall - Alternative bei Schilddrüsenknoten?

Knoten an der Schilddrüse treten in einem Jodmangelgebiet wie Deutschland relativ häufig auf. Nahezu jeder dritte Erwachsene in Deutschland ist davon betroffen - Frauen nahezu viermal häufiger als Männer. Meistens handelt es sich dabei um gutartige Knoten, die jedoch zum Beispiel ein unangenehmes Druckgefühl im Hals, Heiserkeit oder einen Räusperzwang hervorrufen können. Manche führen zu einer Schilddrüsenüberfunktion und andere sind bösartig. Müssen die Knoten entfernt werden, so wird normalerweise operiert oder mit Radiojod, durch das das Knotengewebe zersetzt wird, behandelt. Seit 2012 ist in der Europäischen Union auch die Behandlung mit einem sogenannten hochintensiven fokussierten Ultraschall (HIFU) zugelassen. Einen tatsächlichen Nachweis über Wirksamkeit, Risiken und Vorteile dieser bei Schilddrüsenknoten noch jungen Behandlungsmethode gibt es bisher jedoch noch nicht. Die Klinik für Endokrine Chirurgie des Bürger­hospitals Frankfurt, Chefarzt Dr. med. Christian Vorländer, hat daher Ende 2015 gemeinsam mit den Unikliniken Freiburg und Gießen-Marburg eine entsprechende klinische Studie initiiert.

Hochintensiven fokussierter Ultraschall als Therapieform

Ultraschall kommt in den unterschiedlichsten Fachbereichen der Medizin zum Einsatz. Den meisten Patienten ist er aus dem Bereich der Diagnostik, z.B. bei der Schwangerschaftsvorsorge oder der Untersuchung innerer Organe, bekannt. Der hochintensive fokussierte Ultraschall wird dagegen als Therapieform eingesetzt. Wie unter einer Lupe werden die Ultraschallwellen gebündelt und auf das zu behandelnde Gewebe gerichtet. Dieses erwärmt sich daraufhin so stark, dass die Zellen des Knotens zerstört und später durch den Körper abgebaut werden. Neben einer Sonde, die diese Energie freisetzt, enthält der Schallkopf ein bildgebendes System. Mit diesem wird die betroffene Körperregion vor und vor allem auch während der Behandlung genau ausgemessen und dargestellt. So ist es dem Arzt möglich, den Ultraschall präzise auf die betroffene Stelle zu richten.

Zur sorgfältigen Diagnostik gehört auch die Ultraschalluntersuchung.

Bei Prostatakrebs, Brustkrebs und gutartigen Geschwülsten der Gebärmutter (Uterusmyomen) wird dieses Verfahren bereits seit 20 Jahren eingesetzt. Mittlerweile ist es auch für Schilddrüsenknoten zugelassen. Die Behandlung dauert je nach Größe des Knotens zwischen 15 und 45 Minuten. Ein Schnitt wie bei einer Operation oder Radioaktivität wie bei der Radiojodtherapie sind nicht notwendig. Wie bei der Ultraschalluntersuchung dringen die Wellen durch die Haut, ohne diese zu verletzen. Am Bürger­hospital Frankfurt wird die Therapie mit hochintensivem fokussiertem Ultraschall unter einer schonenden Kurzanästhesie durchgeführt, so dass der Patient nach einem kurzen stationären Aufenthalt von durchschnittlich einem Tag das Krankenhaus wieder verlassen kann.

Allerdings ist der hochintensive fokussierte Ultraschall nicht bei sämtlichen Formen von Schilddrüsenknoten einsetzbar. So können ausschließlich gutartige Knoten behandelt werden. Besteht der Verdacht eines bösartigen Knotens ist eine Operation unumgänglich. Ein weiteres Ausschlusskriterium stellt u.a. die Lage des Schilddrüsenknotens dar. Befindet sich dieser zu nah am Stimmbandnerv, muss ebenfalls von einer Beschallung abgesehen werden, da das Risiko, durch die Hitze den Nerv zu beschädigen, zu hoch ist. Eine intensive Diagnostik ist daher bei der Wahl der Behandlungsmethode unabdingbar. 

Das Risiko, dass der Stimmbandnerv verletzt wird, liegt bei einer Operation im Schnitt bei unter 0,5 Prozent. Ein Vergleichswert existiert für die Behandlung mit hochintensivem fokussierten Ultraschall dagegen bislang nicht, da keine klinische Studie durchgeführt wurde, in welcher diese Daten sowie Informationen zum Behandlungserfolg, Vorteilen und weiteren Risiken ausgewertet wurden.

Studie:

Diese relevanten Daten werden nun an der Klinik für Endokrine Chirurgie des Bürger­hospitals und an den Universitätskliniken Freiburg und Gießen-Marburg gewonnen. Start der Studie war der 1. November 2015. Seitdem bieten Chefarzt Dr. Vorländer und seine Oberärzte interessierten Patienten die Möglichkeit, sich im Rahmen der Studie behandeln zu lassen, insofern Art und Lage des Schilddrüsenknotens dies erlauben. Dabei setzen sie als erste Klinik im Rhein-Main-Gebiet auf die Weiter­entwicklung des Ultraschallgerätes, das zu diesem Zweck 2012 zum ersten Mal für den europäischen Markt zugelassen wurde. Die Ergebnisse der Behandlung fließen anonymisiert in die Studie ein. Am Ende der wissenschaftlichen Untersuchung, für die die Daten von mindestens 100 Patienten erhoben werden, stehen nach voraussichtlich zwei Jahren Vergleichswerte, die es den Experten ermöglichen werden, die Sicherheit und Wirksamkeit des Behandlungsverfahrens zu beurteilen.

Erst danach, so sind sich Dr. Vorländer und seine ärztlichen Kollegen einig, kann abschließend beurteilt werden, ob der hochintensive fokussierte Ultraschall bei Schilddrüsenknoten eine sinnvolle Alternative zu den etablierten Behandlungsmethoden darstellt.

Kristin Brunner

Weiterführende Informationen

Die Schilddrüse:
Die Schilddrüse sitzt im vorderen Halsbereich und hat die Form eines Schmetterlings. Sie produziert die Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4), die von dort aus ins Blut gelangen. Zur Produktion dieser Hormone benötigt die Schilddrüse Eiweiß und Jod. Da der menschliche Körper kein eigenes Jod herstellt, muss er es in ausreichender Menge über die Nahrung zu sich nehmen. Bei Jodmangel kann sich die Schilddrüse vergrößern und einen Kropf bilden. Auch viele Schilddrüsenknoten entstehen durch Jodmangel. Das ebenfalls in der Schilddrüse gebildete Hormon Calcitonin spielt eine Rolle im Calcium-Stoffwechsel. Die Schilddrüsenhormone beeinflussen Stoffwechsel, Kreislauf, Wachstum und Psyche.

Die Untersuchung:
Im Rahmen einer Untersuchung der Schilddrüse sollten daher neben der Anamnese (im Gespräch ermittelte gesundheitliche Vorgeschichte des Patienten) und dem Tastbefund die Schilddrüsen-Hormone, das Calcitonin sowie der Calciumspiegel bestimmt werden. Eine Ultraschalluntersuchung ergänzt diese Basismaßnahmen.

Schutz vor Jodmangel:
Der tägliche Jodbedarf einer Person hängt von verschiedenen Faktoren – wie Alter und Umweltbelastung – ab. Die empfohlene Jodzufuhr für einen Erwachsenen liegt bei 200 Mikrogramm/Tag. Neben dem bekannten Jodsalz spielen dabei viele andere Lebensmittel eine wichtige Rolle. So sind Milch, Milchprodukte sowie Fisch und Meeresfrüchte wertvolle Jodlieferanten.

Klinik für Endokrine Chirurgie am Bürger­hospital Frankfurt

Sektion Thermoablation zur Behandlung gutartiger Schilddrüsenknoten

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