Arbeiten mit Weitsicht - Interview mit dem neuen Chefarzt Prof. Fritz Hengerer

Bereits seit Juli arbeitet Prof. Dr. med. Fritz Hengerer als neuer Chefarzt an der Seite von Prof. Schwenn. In unserem Interview mit ihm werfen wir einen Blick in die Zukunft der Augenklinik am Frankfurter Bürger­hospital.

Herr Prof. Hengerer, Sie sind nun seit dem 1. Juli für das Bürger­hospital tätig. Warum haben Sie sich für dieses Krankenhaus entschieden?

Um ehrlich zu sein, ist mir die Entscheidung nicht schwergefallen. Zum einen hat das Bürger­hospital nicht nur in der Augenheilkunde einen guten Ruf. Zum anderen habe ich mich sehr gefreut, dass ich die Nachfolge von Prof. Schwenn antreten darf. Schließlich kennen wir uns schon seit vielen Jahren. Überzeugt hat mich auch, dass wir eine sechsmonatige Übergangsphase haben, in der Prof. Schwenn und ich noch gemeinsam arbeiten. Das macht es für uns, für die Mitarbeiter und vor allem für die Patienten wesentlich leichter.

Wie haben Sie die ersten Wochen am Bürger­hospital erlebt?Wie wurden Sie von den Kollegen aufgenommen?

Sehr warmherzig und offen. Ich habe mich vom ersten Tag an willkommen gefühlt und gar nicht wie „der Neue“. Ich wurde gleich in das Team integriert. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich einige Kollegen bereits kenne und schon vorher an anderen Krankenhäusern mit ihnen zusammengearbeitet habe. Der Augenkosmos ist klein. Sicherlich hat es aber auch damit zu tun, dass die Kolleginnen und Kollegen hier irgendwie annersder sind – also im positiven Sinn: sehr offen und kooperativ.

Sie übernehmen von Prof. Schwenn eine gut laufende Klinik, planen Sie dennoch, etwas anders zu machen? Werden Sie neue Verfahren einführen oder andere Erkrankungen behandeln? Wo sehen Sie die Augenklinik in fünf Jahren?

Die bisher in der Augenklinik versorgten Erkrankungen werden wir auch in Zukunft behandeln. Auch in fünf Jahren werden wir hier einen Schwerpunkt in der Behandlung des Grünen Stars (Glaukom) haben. Da Prof. Schwenn und das Team bereits seit vielen Jahren unterschiedlichste Augenerkrankungen nach sehr hohen Qualitätsstandards behandeln, werden wir daran anknüpfen. Allerdings ist die Augenheilkunde ein sehr innovatives Fach. Daher etablieren wir zusätzlich neue Behandlungsverfahren. So ermöglicht es uns der Femtometoselaser, den wir seit Kurzem einsetzen, bestimmte Operationen noch präziser und risikoärmer durchzuführen. Studien belegen zudem, dass er ein noch besseres Ergebnis erzielt als die bisherige Operation mit dem Skalpell. Es ist dabei jedoch wichtig zu beachten, dass man nicht jeden Patienten lasern kann. Ob Skalpell oder Laser ist stets eine individuelle Entscheidung.

Darüber hinaus möchte ich in der Hornhauttransplantation neue Wege gehen. So werde ich neben der bisher durchgeführten Transplantation der kompletten Hornhaut das Einsetzen von Hornhautteilen einführen. Dies hat vor allem Vorteile bei der Wundstabilität und in der Wundheilung.

Daneben möchte ich natürlich auch mit dem stetigen Fortschritt in der Augenheilkunde mithalten und Neuerungen – sofern sie sinnvoll sind – einsetzen. Hier plane ich, ganz im Sinne des Bürger­hospital Stifters Dr. Christian Senckenberg, die Forschung für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung weiter voranzutreiben. Wir werden ein Studienzentrum einrichten. Darin werden wir anonymisiert Behandlungsdaten erheben und auswerten und somit dazu beitragen, dass neu zugelassene Verfahren noch sicherer werden.

Und nicht zuletzt liegt mir die Ausbildung des Augenheilkunde-Nachwuchses am Herzen. Diese werden wir als Lehrkrankenhaus der Goethe-Universität Frankfurt weiterhin fortsetzen.

Was fasziniert Sie an der Ophthalmologie? Warum sind Sie Facharzt für Augenheilkunde geworden und nicht Orthopäde oder Rechtsanwalt?

Für mich stand schon vergleichsweise früh fest, dass ich Augenarzt werden wollte. „Schuld“ daran waren ein Freund meiner Familie und die Schule. Mit 18 musste ich ein Schulpraktikum absolvieren. Jener Freund war Augenarzt an einem Krankenhaus und nahm mich mit in den OP. Dort habe ich die Transplantation einer Hornhaut begleiten dürfen. Eine wahnsinnig filigrane Operation. Fasziniert hat mich nicht allein die Operation an sich, sondern auch das Ergebnis: Ein Mensch, der vorher nur noch Schatten wahrgenommen hat, konnte durch die Transplantation wieder sehen. Für mich war von da an klar, so möchte ich später auch einmal helfen können. Schließlich ist das Sehen einer unserer wichtigsten Sinne. Der Großteil unserer zwischenmenschlichen Kommunikation läuft darüber. Es gibt Studien darüber, dass der Verlust des Augenlichts von den Betroffenen oftmals so schlimm bewertet wird wie eine sehr schwere Krebserkrankung.

Abschließend noch eine Frage zur Privatperson Prof. Hengerer. Wie sieht ein typischer freier Tag bei Ihnen zuhause aus?

Nun, bei drei Kindern im Schulalter und einer aktiven Frau kommt es überaus selten vor, dass ich an einem freien Tag lang ausschlafen kann. Wir frühstücken dann alle sehr gerne zusammen und planen die Aktivitäten für den Tag. Wir sind sehr naturverbunden und gehen des Öfteren wandern oder bergsteigen. Zudem höre ich gerne gute Musik.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Interview mit Prof. Dr. med. Oliver Schwenn

 

Augenklinik am Bürger­hospital Frankfurt

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