Der quälende Blick in den Spiegel - Orbitazentrum hilft Patienten mit Erkrankungen der Augenhöhle

Verschiedene Erkrankungen, wie etwa autoimmune Schild­drü­sen­er­kran­kungen, können zu einem Hervortreten des Augapfels führen. Für die Patienten ist dies mitunter psychisch sehr belastend, wenn sich ihre Augenpartie auf einmal signifikant verändert. Doch auch starkes Tränen, Schmerzen oder Doppelbilder können mit solch einer Erkrankung der Augenhöhle verbunden sein. Am Orbitazentrum am Bürgerhospital Frankfurt finden betroffene Patienten Hilfe.

Sprichwörtlich genommen sind die Augen das Fenster zur Seele. Von ihnen kann angeblich so mancher die tiefsten Wünsche eines geliebten Menschen ablesen, und überhaupt fällt ihnen eine entscheidende Bedeutung bei der Liebe auf den ersten Blick zu. Optisch gesehen sind sie ein prägendes Element im menschlichen Gesicht, das unser Aussehen mitbestimmt. Man kann an ihnen ablesen, ob das Gegenüber müde oder glücklich, wütend oder ausgeglichen ist. Menschen, die unserem Blick ausweichen, befremden uns. Kurzum, unsere Augen spielen auf unterschiedlichste Weise eine wichtige Rolle in unserem Leben und sind viel beachtet.

Kein Wunder also, dass es für viele Menschen psychisch belastend ist, wenn sich ihre Augenpartie auf einmal signifikant verändert. Grund hierfür können u. a. entzündliche Erkrankungen der Augenhöhle sein, die zu einem Hervortreten des Auges führen. Aufgrund der Entzündung schwillt das Fett- und Muskelgewebe innerhalb der Augenhöhle, der Orbita, an und verdrängt den Augapfel nach außen. „Viele meiner Patienten berichten, dass sie sich sehr unwohl fühlen. Sie verstecken ihre Augen nach Möglichkeit hinter einer Sonnenbrille oder einer Haarsträhne, um sich zu schützen. Bei vielen dreht sich irgendwann alles um ihre Augen“, erläutert Prof. Susanne Pitz. Belastend sei für viele Patienten auch, dass sie oftmals eine längere Odyssee hinter sich haben, bevor sie im Sprechzimmer der Ärztin vorstellig werden: „Viele der Krankheiten, die das Hervortreten verursachen, sind vergleichsweise selten und ihre Symptome sind zu Beginn noch relativ unspezifisch. Es könnte alles sein. Daher dauert es oftmals, bis die Patienten an ein spezialisiertes Orbitazentrum überwiesen werden. Dann sind die Symptome meist schon sehr deutlich sichtbar.“

Die Entlastungsoperation führt Prof. Pitz mit dem OP-Mikroskop durch.

Die häufigste dieser Erkrankungen ist die Endokrine Orbitopathie, an der in Deutschland jährlich 20 von 100.000 Menschen neu erkranken. Sie betrifft ca. 50 Prozent der Patienten mit einer autoimmunen Schild­drü­sen­er­kran­kung wie Morbus Basedow oder seltener Hashimoto Thyreoiditis. Vor allem Frauen um die 50 erkranken an Endokriner Orbitopathie. Sie tritt häufiger bei Rauchern als bei Nicht-Rauchern auf. Die genauen Gründe hierfür sind jedoch noch nicht bekannt.

Typische Symptome der Krankheit sind neben dem Hervortreten der Augäpfel Rötungen und Schwellungen von Augenlidern und Bindehaut, starkes Tränen, aber auch Trockenheit und dadurch Schädigung der Augenoberfläche sowie Schmerzen hinter den Augen oder bei Augenbewegung. Sind auch die Augenmuskeln betroffen, kommt es zu einer eingeschränkten Beweglichkeit und gegebenenfalls Schielstellung der Augen, die zu Doppelbildern führt.

Je nach Schweregrad der Entzündung kann die Endokrine Orbitopathie konservativ, z. B. mit der Gabe von Kortison, behandelt werden. Bei schweren Krank­heits­ver­läufen muss jedoch eine sogenannte Entlastungsoperation vorgenommen werden. Dies ist dann der Fall, wenn das entzündete Gewebe vernarbt und verfettet ist. Bei der Entlastungsoperation entfernen Prof. Pitz und ihr Team betroffenes Gewebe und Knochenteile, die nicht für die Statik des Schädels relevant sind. Dadurch schaffen sie in der Augenhöhle wieder Raum für das Auge. Die Operation erfolgt über einen minimalinvasiven Schnitt in der Bindehaut, sodass keine sichtbaren Narben zurückbleiben. „Früher wurden solche Operationen nur dann durchgeführt, wenn z. B. aufgrund des hohen Drucks auf den Sehnerv eine Erblindung oder eine Schädigung der Hornhaut drohte“, so Prof. Pitz. „Zum Glück hat man mittlerweile auch die enorme psychische Auswirkung auf den Betroffenen erkannt, sodass wir heute nicht nur in Notfallsituationen operieren.“

Der Operation geht eine weitreichende Diagnostik voraus.

Bei einem Teil der Patienten sind nach einer Entlastungsoperation augen­mus­kel­chi­rur­gische Eingriffe oder lidchirurgische Korrekturen sinnvoll. Diese führt Prof. Pitz in der Regel einige Monate nach der aufwändigeren Entlastungsoperation durch. „Es freut mich immer wieder, nach Abschluss der Behandlung zu sehen, dass den Patienten eine richtige Last von den Schultern genommen ist und die Sonnenbrille nur noch an strahlend schönen Sommertagen aufgesetzt wird“, beschreibt Prof. Pitz.

Weiterführende Informationen

Neben der Diagnose und Behandlung von entzündlichen Erkrankungen der Augenhöhle hat sich das Orbitazentrum u. a. auf die Diagnostik und Therapie von Tumoren in der Augenhöhle und Orbi­ta­re­kon­struk­ti­onen spezialisiert. Über das detaillierte Leis­tungs­spek­trum erfahren Sie mehr auf der Webseite des Oribtazentrums.

Orbitazentrum

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Uhr­­türmchen 2/2022

In dieser Ausgabe lesen Sie:

  • 250. Todestag Sencken­berg – Im Gespräch mit Dr. med. Kosta Schopow, Admin­istrationsvorsitzender der Dr. Sencken­bergischen Stiftung
  • Im Fokus: Wenn angeborene Fehlbildungen den Start ins Leben erschweren – Wie die Kinderchirurgie kranken Neugeborenen hilft
  • Anästhesie hoch 2 – Über die Zusammenarbeit zwischen Anästhesie und Anästhesiepflege im Zentral-OP
  • Evolution der Pflege – Interview mit Somaya Girle - Ausbildung oder Studium - Welcher Berufseinstieg in die Pflege bietet sich für wen an?
  • 120 Jahre Kooperation – Gemeinsam zum Wohle des Menschen - Bürgerhospital und Evangelischer Diakonieverein Berlin-Zehlendorf e. V.
  • Über die Schulter geschaut: Physiotherapie am Clementine Kinder­hospital

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