Operationsverfahren bei Hernien (Bauchwandbrüchen)

In Deutschland werden jährlich rund 350.000 Hernien operiert. Dabei werden sowohl offene Verfahren mit einem Leistenschnitt (Bruchverschluss durch Nähte oder Einlage eines Kunststoffnetzes), als auch endoskopische Techniken zur Einlage eines Kunststoffnetzes angewendet.

Hier finden Sie einen Überblick über die möglichen Operationsverfahren.

Kontakt

Herniensprechstunde
Oberarzt Dr. med. Terence Alapatt

Nur nach Terminvereinbarung unter
Telefon (069) 1500 - 1583

Dienstag, Donnerstag
08.15 bis 09.30 Uhr

Freitag
08.15 bis 11.00 Uhr sowie nach Vereinbarung.


OP nach Shouldice

Hier wird das Prinzip des Bruchlückenverschlusses mit körpereigenem Gewebe verfolgt. Mit zwei fortlaufenden Nähten wird in insgesamt vier Nahtreihen die Hinterwand des Leistenkanals plastisch verstärkt. Dieses Verfahren ist in örtlicher Betäubung durchführbar.

Die Ergebnisse sind abhängig von der Größe der Bruchlücke. Bei kleinen Defekten unter 3 cm sind die Ergebnisse mit Rezidivraten von ca. 1,4 % hervorragend. Größere Defekte weisen Rezidivraten von 3,5 - 5 % auf.

Die Operation nach Shouldice wird angewandt bei kleinen Leistenbrüchen ohne Risikofaktoren. Die meisten Leistenbrüche lassen sich dauerhaft durch eine Shouldice-Operation beheben.

Durch Naht der Bauchwandschichten wird die Bruchlücke ohne dauerhaften Verbleib von Fremdmaterial verschlossen. Nach einem Leistenhautschnitt von 5 bis 7 cm wird der Leistenkanal unter Schonung von Nerven und Samenstranggebilde (Mutterband bei Frauen) freigelegt und der aus Bauchfell bestehende Bruchsack bis zur Bruchpforte freipräpariert, eröffnet und evtl. darin befindliche Bauchorgane (z.B. Darmschlinge) in die Bauchhöhle zurückgedrängt. Eine Naht verschließt den Bruchsackeingang. Zum Verschluss der Bauchwandlücke werden in mehreren Nahtreihen die muskulären und sehnenplattenartigen Bauchschichten miteinander vernäht, wobei ein exakt definierter Durchlass für den Samenstrang (Mutterband) verbleibt. Der Hautfaden wird nach einer Woche entfernt, die inneren Fäden lösen sich nach Ausbildung der Narbe auf. 


OP nach Lichtenstein

Die offene Hernienreparation nach Lichtenstein ist weltweit das am häufigsten angewandete Verfahren.

Die Bruchlücke wird im Rahmen einer onlay-Plastik mit einem Kunststoffnetz bedeckt und dadurch verschlossen. Der Eingriff kann mit einem Verschluss der Bruchlücke durch Naht kombiniert werden und wird typischerweise in örtlicher Betäubung durchgeführt. Die Ergebnisse sind mit Rezidivraten unter 1 % hervorragend.

Die Operation nach Lichtenstein wird angewandt bei:

  • Großer Leistenbruch
  • Leistenbruch mit Risikofaktoren Wiederholungsbruch

Ein Kunststoffnetz verschließt von außen die Leistenbruchlücken. Die von uns verwendeten Netze sind sehr gut verträglich. Die Verletzung von Bauchorganen durch Netzwanderung ist bei der Lichtensteintechnik auszuschließen. Ort und Länge des Hautschnitts entsprechen der der Shouldice-Operation. Nach Präparation des Bruchsacks, seiner Eröffnung und dem Zurückdrängen seines Inhalts (z.B. Darmschlingen) in die Bauchhöhle und Umstülpen oder Verschließen des Bruchsacks wird ein 12 x 8cm großes, leichtgewichtiges und teilresorbierbares Kunststoffnetz mit einem exakt definierten Durchlass für den Samenstrang (Mutterband) der Bruchpforte in der Bauchwand weit überlappend aufgenäht.


TAPP

Hierbei handelt es sich um einen endoskopischen Leistenbruchverschluss mit Netzeinlage durch die Bauchhöhle (transperitoneale "Schlüssellochtechnik").

Bei dieser laparokopischen Hernienoperation ist die Implantation eines Kunststoff-Netzes notwendig. In Vollnarkose wird während einer Bauchhöhlenspiegelung die Bruchlücke unter dem Bauchfell aufgesucht und mit einem Kunststoff-Netz verschlossen. Prinzipiell ist auch eine beidseitige Operation in einer Sitzung möglich.

Diese Operation ist nur in Vollnarkose möglich.

Vorteile:

  • Doppelseitige Leistenbrüche können problemlos in einer Operation versorgt werden
  • Kleine Hautschnitte

 

 

 

Es erfolgt nach dem Aufblasen der Bauchhöhle durch Kohlendioxidgas zunächst eine Bauchspiegelung über einen 1cm-Schnitt in der unteren Nabelgrube: Über eine stabförmige Kamera erfolgt eine Direktübertragung aus der Bauchhöhle auf einen Fernsehmonitor. Der Operateur sieht die Bruchlücken der Leistenregion von innen. Über zwei weitere 1 cm- und 0,5 cm große Hautschnitte werden stabförmige Instrumente (Pinzetten, Scheren, Ultraschallskalpell etc.) in die Bauchhöhle eingeführt. Das Bauchfell wird über der Bruchpforte eingeschnitten und mitsamt seinem Bruchsack von dem Bruchbereich abpräpariert. So kann ein leichtgewichtiges Kunststoffnetz eingebracht werden, das für die entsprechende Körperseite vorgesehen ist und mit seiner Größe von 10x15cm die Bruchpforte weit überragt. Dieses Netz zwischen Bauchfell und Bauchwand verschließt sodann neben der nachgewiesenen Bruchpforte auch alle weiteren Schwachstellen der Leistenregion. Das Bauchfell wird durch eine Naht verschlossen, um jeglichen möglicherweise schädigenden Kontakt des Fremdmaterials mit Darmschlingen zu verhindern.


Sublay Netzeinlage - offen

Bei diesem offenen Operationsverfahren einer Narbenhernie wird das zwingend notwendige Kunststoffnetz zwischen den Bauchschichten, in diesem Fall hinter dem Musculus rectus (gerader Bauchstrecker), platziert. Das Netz hat hierbei keinen Kontakt zu den Bauchorganen, da eine feste Verschiebeschicht inklusive Bauchfell einen direkten Kontakt verhindert. Darüber werden die einzelnen Bauchschichten inklusive der vorderen festen Verschiebeschicht (vorderes Blatt des Musculus rectus/Faszie) sowie die Unterhaut und die Haut verschlossen.

Hierbei sind in der Regel immer ein kurzfristiger stationärer Aufenthalt und eine Vollnarkose erforderlich.

In einigen Fällen ist zusätzlich eine Verschiebung der körpereigenen Bauchschichten (Ramirez-Plastik) notwendig, um eine spannungsfreie Naht der einzelnen Bauchschichten zu ermöglichen.


IPOM

Bei diesem Verfahren wird die Narbenhernie durch das Bauchspiegelungsverfahren (Laparoskopie) versorgt. Hierbei wird ein Kunststoffnetz nach Lösung von Verwachsungen innerhalb des Bauchraumes über drei bis fünf kleinere Hautschnitte von der Größe 0,5 - 1,5 cm in die Bauchhöhle eingebracht.

Das Netz wird mit selbst auflösenden Klammern unter der Bauchdecke fixiert und somit die Bruchlücke überdeckt. Das Netzt besitzt eine spezielle Beschichtung, um einen gefahrlosen Kontakt zu den Bauchorganen zu ermöglichen.

Dieses Verfahren ist eine optimale Ergänzung zur Sublay-Netzeinlage, jedoch nicht für jede Bruchlückengröße und Narbenhernie geeignet.

Durch die kleineren Hautschnitte und Zugangswege ist der Patient deutlich beschwerdeärmer und kann schneller aus dem Krankenhaus entlassen werden als bei einer offenen Operation.


Netze

Die Verwendung von Kunststoffnetzen in der Leisten- und Bauchwand- bruchchirurgie wird in Deutschland noch immer kontrovers diskutiert, da jedes Kunststoffnetz im Körper eine gewisse Fremdkörperreaktion hervorruft und die Netze lebenslang im Patienten verbleiben.

Tatsache ist, dass Kunststoffnetze aus der modernen Hernienchirurgie bei Erwachsenen nicht mehr wegzudenken sind, zumal die Netze mit immer geringen Kunststoffmengen gefertigt werden und sehr gut verträglich sind.

Auch wir verwenden Kunsstoffnetze (Leichtgewichtnetz) mit Bedacht. Wir haben mit den von uns seit über 10 Jahren verwendeten Polypropylennetzen nur gute Erfahrungen gemacht. Netzabstoßungen traten nicht auf und wir mussten keine der von uns implantierten Netzprothesen entfernen.
Es gibt keinen Hinweis für ein Krebsrisiko der Polypropylennetze.

Bei Patienten mit großen Leistenbrüchen, Wiederholungsbrüchen, ungünstigen Bindegewebsverhältnissen und Risikofaktoren ist der Einsatz von Kunststoffnetzen zur Vermeidung eines Wiederholungsbruches ratsam.

Unverzichtbar sind Kunststoffnetze bei Narbenbruchoperationen und bei endoskopischen Leistenbruchoperationen (Schlüssellochirurgie).

Wir beschränken die Größe der Kunststoffnetze auf das Notwendige, verwenden leichtgewichtige teilresorbierbare Kunststoffnetze, die nach dem aktuellen Forschungstand aus den am besten verträglichen Materialien gefertigt sind.

Narkoseverfahren

Allgemeinanästhesie / Vollnarkose

Bei der Allgemein- oder Vollnarkose werden das Bewusstsein und die Schmerzempfindung völlig ausgeschaltet. Diese Narkoseform ist Voraussetzung, um eine laparoskopische Hernienreparation durchführen zu können.

Auch für Narbenbruch-Operationen ist die Vollnarkose notwendig.

Im Gegensatz zu früher ist die Allgemeinanästhesie/Vollnarkose inzwischen sehr verträglich und risikoarm und kann für kurze Eingriffe mindestens genauso geeignet sein wie anderer Verfahren.

Vorteile sind, dass neben der Schmerzausschaltung andere mögliche Störfaktoren vom Patienten abgeschirmt bleiben.

Lokalanästhesie (örtliche Betäubung)

Bei der Operation in örtlicher Betäubung wird das Medikament direkt in die Bauchdecke des Operationsgebiets gespritzt. Hierdurch wird eine nahezu komplette Schmerzausschaltung in dem betreffenden Areal erreicht. Bei Restbeschwerden während der Operation kann jederzeit nachgespritzt werden. Während der gesamten Operationszeit betreut Sie zusätzlich ein Narkosearzt, der bei Bedarf auch ein mildes Beruhigungsmittel geben kann. Nach der Operation können Sie sofort aufstehen, herumlaufen, essen und trinken. Dieses Narkoseverfahren bieten wir an, wenn Sie nach Shouldice oder Lichtenstein operiert werden. Selbstverständlich können Sie aber auch bei diesen Operationen ein anderes Narkoseverfahren auswählen.

Spinal- oder Periduralanästhesie (rückenmarksnahe oder regionale Betäubung)

Durch das Einspritzen von Medikamenten in den Rückenmarkskanal der Wirbelsäule wird die Schmerzempfindung einer bestimmten Köperregion, z. B. Beine und Unterbauch aufgehoben. Der Patient bleibt jedoch wach und ansprechbar.